BSS – Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V.

Das Hochwasser geht – was ist zu tun?

Das Hochwasser im Juli 2021 hat in vielen Regionen Deutschlands enorme Schäden angerichtet. In den kommenden Monaten wird der Bedarf an Fachunternehmen und Sachverständigen für den Wiederaufbau höher sein als ihre Verfügbarkeit. Wenn das Wasser zurückgeht, muss schnell gehandelt werden, um zu verhindern, dass zu den enormen finanziellen Schäden ein gesundheitliches Risiko durch Schimmelpilze hinzukommt. Der BSS e.V. möchte daher mit diesem Merkblatt auf wichtige Maßnahmen und auch auf die Vermeidung von Fehlern bei der Sanierung der vom Hochwasser geschädigten Bausubstanz aufmerksam machen.

Tipp 1 – Ruhe Bewahren und für Sicherheit sorgen

Trotz allem Unheil – bewahren Sie Ruhe und vergewissern Sie sich, dass die Stromversorgung in den überfluteten Räumen abgeschaltet ist. Sämtliche elektrischen Geräte, Anlagen und Verteilerkasten sowie die Heizung müssen vom Stromnetz getrennt werden, um Kurzschlüsse und Stromschläge zu verhindern. Lassen Sie das Stromnetz von einem Fachmann prüfen und ggf. instand setzen. Falls Ihre Nachbarn oder höher gelegene Gebäude nicht betroffen sind können Sie sich mit Verlängerungskabeln behelfen oder Sie beschaffen sich benzin- oder dieselbetriebene Stromerzeuger für die Erstversorgung. Hochwasser kann unbemerkte Schäden verursachen, die erst bei Inbetriebnahme große Gefahren darstellen können. Experten sollten auch die Gas-, Wasser- und Energieversorgung zur Beheizung unbedingt prüfen.

Tipp 2 – Der Schmutz muss schnell raus

Nach dem Abpumpen ist nicht das Wasser, sondern sind Schlamm und Dreck das Hauptproblem. Durch das Ansteigen und das Absinken des Hochwassers werden neben mikrobiellen Stoffen auch Gefahr- und Schadstoffe wie Öle und Treibstoffe, Farben, Lacke, Löse- und Düngemittel, Unkrautvernichter u.a. Chemikalien mitgespült. Dieser Cocktail dringt in poröse Baustoffe, Hohlräume, Dämmschichten und Einrichtungsgegenstände ein. Wenn das Hochwasser geht, wird der zurückbleibende Schlamm schnell hart wie eine Betonschicht. Auch hinter Vorsatzwänden wie z.B. Gipskarton kann sich Schlamm angesammelt haben. Bleibt der getrocknete Schlamm auf den Oberflächen, verhindert er überdies das Trocknen der darunterliegenden Bauteile, wie Wände und Böden. Deshalb muss der Schlamm so schnell wie möglich aus dem Gebäude gebracht werden, sowohl von den sichtbar betroffenen Flächen als auch aus verdeckten Hohlräumen und Vorbaukonstruktionen.

Tipp 3 – Mit Wasser gegen das Hochwasser

Aufgrund des Mangels an technischem Hilfsgerät, wie Pumpen oder Wassersaugern, müssen Sie selbst dafür sorgen, dass der Schmutz das Haus verlässt. Dies geschieht am Effektivsten – so paradox das klingt – durch viel Wasser, z.B. mit Hilfe eines Wasserschlauchs. Wenn kein fließendes Wasser verfügbar ist, versuchen Sie, mit Gummischiebern oder Schaufeln den nassen Schlamm so gut es geht nach außen zu bringen. Sofern die Wasserversorgung nicht funktioniert besteht vielleicht die Möglichkeit, Wasser mit Pumpen aus dem Bach, aus Hydranten oder mit Kanistern heranzuschaffen, um zumindest den gröbsten Schmutz zu entfernen. Alle Einläufe und Anschlüsse von Abwasserleitungen sind umgehend zu reinigen, am besten durch Einleitung von viel Wasser, sonst besteht die Gefahr der Verstopfung nach Aushärtung des Schlamms.

Tipp 4 – Selbstschutz – denken Sie auch an ihre Gesundheit

Überschwemmungswasser kann neben Schmutz und Schlamm auch Chemikalien und Krankheitserreger enthalten, Sie sollten daher unbedingt persönliche Schutzausrüstung tragen. Hierzu gehören wasserfeste Schutzkleidung, Gummistiefel, später geschlossene Sicherheitsschuhe mit dicker Sohle und flüssigkeitsdichte Arbeitshandschuhe, um auch kleine Verletzungen, etwa Schnittwunden, und Entzündungen / Infektionen zu vermeiden. Denken Sie auch an Atemschutzmasken und ggf. eine Schutzbrille, insbesondere bei Abbrucharbeiten und bei Arbeiten über Kopf!. Stellen Sie intensive Gerüche fest, fühlen sich unwohl oder es treten gesundheitliche Probleme auf, sollten Sie die Schadensbereiche verlassen, um sich nicht in weitere Gefahr zu bringen.

Tipp 5 – Nicht betroffene Bereiche schützen

Schotten Sie nicht betroffene Räume oder ganze Wohngeschosse gegenüber den unteren Schadensbereichen mit Folien ab, damit hier keine Feuchtigkeit oder luftgetragene Stäube und Schadstoffe unbemerkt eingetragen werden. Zur Vermeidung eines Schimmelrisikos kann auch hier der Betrieb eines Luftentfeuchters sinnvoll sein.

Tipp 6 – Vorsicht beim Einsatz von Desinfektionsmitteln

Von der Durchführung vorsorglicher Desinfektionsmaßnahmen an den Bausubstanzen ist abzuraten. Der erfolgreiche Einsatz solcher Chemikalien gehört in fachkundige Hände und sollte nur durch qualifizierte Fachfirmen durchgeführt werden. Zu groß ist die Gefahr, dass bei unsachgemäßer Anwendung Wechselwirkungen mit möglicherweise eingetretenen Chemikalien entstehen, Schadstoffe im Haus verbleiben oder sogar negative gesundheitliche Beeinträchtigungen an Haut und Atemwegen entstehen. Auch von DIY-Lösungen aus dem Baumarkt ist abzuraten. Effektiver als der Gebrauch von Desinfektionsmitteln ist die sorgfältige Beseitigung von Schlamm und Schmutz, bevor diese sich bei sommerlichen Temperaturen in eine Brutstätte für Schimmelpilze und Bakterien verwandeln und die Innenraumluft mit Gerüchen sowie biogenen Stoffen belasten. Lediglich die Händedesinfektion mit geeigneten Mitteln ist nach Hautkontakt zu empfehlen.

Tipp 7 – Einrichtung und Möbel entsorgen

Bedenken Sie, dass Mobiliar und Einrichtungsgegenstände, welche im Wasser standen, ebenfalls mit Schlamm und darin eingespülten Schadstoffen kontaminiert sind. Versuchen Sie zeitnah, alle losen Gegenstände aus dem Gebäude zu bringen. Wasseraufnehmendes Inventar, wie Möbel aus gepressten Holzwerkstoffen, Bücher oder Polstermöbel, ist nicht zu retten. Achtung beim Entsorgen: Derartige Gegenstände haben durch das Schlammwasser eine deutliche Gewichtszunahme.

Tipp 8 – Trocknung der Bausubstanz erleichtern

Ist der Schlamm aus dem Haus, muss die Bausubstanz so schnell wie möglich trocknen. Gerade im Sommer ist das ohne technische Geräte aber schwierig, denn die sommerliche Außenluft enthält ebenfalls viel Feuchtigkeit. Das geschädigte Inventar ist konsequent auszusortieren, „die Spreu vom Weizen zu trennen“, um unnötige Feuchtelasten aus dem Haus zu bekommen. Das fällt schwer, kann Sie aber vor Schimmelschäden bewahren. Wenn aufgrund des hohen Bedarfs und der Überlastung von Fachfirmen nicht schnell mit einer technischen Trocknung begonnen werden kann, ist zumindest eine stetige Luftbewegung ratsam. Die Fenster sind weit zu öffnen, damit die Luft gut zirkulieren kann und der Einsatz von Gebläsen / Ventilatoren verbessert den Trocknungsprozess maßgeblich. Entfernen Sie alle Materialien, die eine Trocknung der Bausubstanz verhindern oder die schnell mit Schimmel befallen werden. Nasser Putz ist abzutragen, damit das Mauerwerk dahinter ungehindert austrocknen kann. Sind feuchteempfindliche Materialien (z.B. Gipskarton, Spanplatten o.ä.) vorhanden: Weg damit – bevor der Schimmel da ist!

Tipp 9 – Trotz allem : Dokumentation ist wichtig

Vergessen Sie trotz Stress und starker persönlicher Belastungen nicht, den Schaden durch Fotos z.B. auf Ihrem Mobiltelefon zu dokumentieren. Versuchen Sie aus Ihren Unterlagen Belege und Dokumente zu sichern. Das kann für die Schadensregulierung mit Ihrer Versicherung oder aber auch für staatliche Hilfen sehr wichtig sein!

Tipp 10 – Experten einschalten

Technische Anlagen und Einrichtungen, sowie Schäden an und innerhalb des Gebäudes sollten von qualifizierten Fachleuten geprüft werden. Bei der Beurteilung und Beseitigung der Durchfeuchtungen und Folgeschäden durch Schimmelbildung und Schadstoffe stehen Ihnen die Experten des BSS e.V. zur Verfügung. Sie finden in der BSS-Expertenliste Spezialisten aus Ihrer Region , die eine entsprechende Fachkunde beim BSS nachgewiesen haben. Unsere Experten begleiten Sie im Schadensfall von der Ursachensuche bis zur vollständigen Sanierung und unterstützen Sie auf Wunsch auch bei der Schadensabwicklung mit Ihrer Versicherung.